Weinreise Mähren April 2009

Reisebericht Mähren 2009

Freitag, 17. April 2009

Start  9.00 Uhr, um  Spielraum bei der Fahrzeit zu gewinnen, begannen wir den Tag sehr entspannt. Alle Mitreisenden trafen sich im Hotel zum Frühstück und sichtlich gut gelaunt stiegen wir in die Autos um auf der Autobahn Richtung Dresden zu fahren. Furchtbares Wetter mit Regen und Windböen, viel Verkehr, ansonsten recht lustig und unterhaltsam. Wir lagen gut in der Zeit, so daß die Nebelwand nach der tschechischen Grenze durch das gesamte Elbtal kein Hindernis darstellte. Gute Fahrt bis Prag, wo wir gegen 13.30 Uhr eintrafen. Auf Anraten von Insidern Fahrt durch Prag im Freitagsverkehr, um erst später eine Kaffeepause zu machen. Stop and go durch die Stadt war schon etwas belastend, ca 30 km danach kurze Rast. 14.30 Uhr Weiterreise auf der A1 Richtung Brno. Etwa 10 km weiter Stau...(50 km ! laut Verkehrsfunk)...dem wir dann doch etwas genervt ausweichen wollte. Die Zeit saß uns im Nacken, 17.00 Uhr war Termin in Österreich und es waren noch 250 km zu fahren. Abfahrt war nicht in Sicht....Ich habe dann das Radio ausgeschaltet, den Atlas ausgekramt, die Kontaktpartner für den Abend angerufen, dass wir die Zeiten nicht einhalten können. Nach weiteren ca. 8 km Stau hatte ich die Nase voll und habe unsere drei Autos rechts von der Autobahn gelotst.  Die  nun folgende Überlandfahrt ersparte uns  zwar etwa 10 km Gesamtfahrstrecke, kostete aber 2 Stunden zusätzlich. Statt 17.00 Uhr landeten wir 20.36 Uhr in Laa an der Thaya zum Abendessen im wahrscheinlich exklusivsten Thermehotel der ganzen Region. Ich bin froh, hier eine perfekte Wahl getroffen zu haben. Super entgegenkommendes Personal an Reception und im Restaurant. Trotz Küchenschluß 21.00 Uhr volles Programm ! Die ursprünglich für 18.00 Uhr geplante Weinprobe starteten wir essenbegleitend.

Um sich ein Bild zu machen, es gab:

  • Karpfenfilet im Hanfmantel mit Erdäpfel- Kressesalat
    Rindersuppe mit Leberknödel oder safranisierte Fischsuppe mit Miesmuscheln und Ciabatta
    Gegrilltes Tigerwelsfilet an Schwammerlrisotto und Bärlauchschaum

oder

  • Geschmortes vom Biorind aus dem Land um Laa mit Serviettenknödel und Preiselbeerpfirsich

oder

  • Erdäpfel-Frischkäse-Gnocchi mit Spargel und sc. hollandaise geflämmt
    Schwarzwälder Kirschtörtchen
    Käse

an Weinen dazu :

2008 Grüner Veltliner Ausstich, Weingut Setzer, Weinviertler DAC

2008 Riesling trocken, Weingut Hirsch, Kamptal                          

2007 Merlot, Weingut Schuckert, Weinviertel                          

2006 Blaufränkisch Ried Gfanger, großes Holz, Weingut Lehrner, Mittelburgenland

Ein total schickes, modernes Restaurant mit bestem Service (edle Tischwäsche, teures Geschirr, feine Gläser)

Gegen 23.00 Uhr dann Fahrt zum Hotel. Die Zimmer hatten keine Nummern, sondern heißen "orientalisch", "mexikanisch", "Sportlich", "griechisch", "italienisch" u.s.w. Sehr originell, Klasse!!!
Es fielen alle gleich in die "Federn", um für die kommenden Unternehmungen frisch zu sein.

Samstag 18. April 2009

08.00 Uhr, die Sonnenstrahlen kitzelten in der Nase und damit alle aus den Betten. Bei strahlend blauem Himmel  gab es klassisches Frühstück, etwas rustikal, aber durchaus in Ordnung. Bis zum geplanten Start in den Tag gab es noch Gelegenheit, ein paar Schritte durch den Badeort Laa zu gehen, um das Ein oder Andere zu entdecken. Eine kleine verschlafene Stadt, mit einem wunderschönen historischen Rathaus, vielen Lokalen und netten Einwohnern. Zehn Uhr dann "Aufsitzen" und Sonnenfahrt gen Valtice/Mähren. Durch satte, grüne Landschaft, unendliche Weinberge, saubere Dörfchen ging es den Hügel hinab in das malerische Städtchen zum Schloß, welches überraschend großzügig vor uns lag. Zunächst schlenderten wir durch die einzelnen Nischen, Terrassen, Durchgänge. entdeckten Schloßrestaurant und Vinothek, um erst dann in den Staatlichen Weinkeller zu steigen. Ausgetretene breite Stufen führten in einen hohen sandsteingewölbten Keller, bestückt mit den 100 besten Weinen des Landes. Die wenigen noch geläufigen tschechischen Worte öffneten uns die Tür in die heiligen Hallen. Die in englischer Sprache geleitete Degustation zeigte einen Querschnitt der in der Region produzierten Weine, 5 Weiß-, 4 Rot-, ein Dessertwein.
Ein paar der im Haus "Eleonore" bereits erhältlichen Weine konnten verkostet werden. So war es nicht verwunderlich, daß sich einige mit Körben bewaffneten, um etwas mit nach Hause zu nehmen.
24 °C lockten zum anschließenden Mittagessen auf die Terrasse des Schlosses. Bei typisch tschechischer Küche egalisierten wir die zuvor genossenen Promille.
Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg ins unweit gelegene Mikulov. Zwar hat auch diese Stadt ein imposantes Schloß zu bieten, doch unser Ziel war die Turold- Höhle. Die Turold-Höhle ist die größte und bedeutendste Höhle der Pollauer Berge. Ihre Gänge, Säle und Dome messen insgesamt mehr als 1 km. Die Höhle birgt Kalkverzierungen von extremer Seltenheit und ist ein wichtiges Winterquartier für Fledermäuse. Von all dem konnten wir uns wahrhaftig überzeugen. Am späten Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Laa an der Thaya, denn es wartete ja noch das Abendprogramm. Etwas frisch machen, umziehen und schon ging es weiter zum Abendessen in ein nettes Lokal in der Nähe des Hotels. Die üppige österreichische Küche machte uns etwas zu schaffen. Um so besser war es, dass es zu Fuß zum Chorkonzert in die Aula des hiesigen Gymnasiums ging. Man weiß von K&K, dass ein Gymnasium eine Institution und die Damen und Herren Magister, Professor u.s.w. "Heilige" sind. Entsprechend waren das Gebäude und die anwesenden Gäste der Veranstaltung - alles sehr seriös. Das nun folgende (Kontrast)Programm brachte uns vor allem gute Unterhaltung. Auf dem Programm standen Haydn und Mendelsson- Bartholdy. Sehr gute Damenstimmen um eine Pianistin und einige etwas sangschwache Herren veranlaßten jeden Einzelnen von uns, die Liedfolge genauestens zu verfolgen.
Ein solcher Tag verlangt geradezu nach einem entsprechenden Ausklang. Den erlebten wir im "Schwarzen Peter" - eine urige Bierkneipe, zu unserer Behausung unmittelbar dazu gehörend. Trotz vorgerückter Stunde und vollem Lokal absolut entspanntes und nettes Personal. Man kümmerte sich sofort um einen freien Tisch für unsere größere Gruppe, schneller Service der damit einen riesigen Spaß garantierte. Mit tiefen Lachfalten verzogen wir uns gegen 01.00 Uhr als fast letzte Gäste über die Hotelterrasse in unsere Zimmer. Wenige Minuten später lag das Haus in tiefem Schlaf...!!!

Sonntag, 19. April 2009

...bis zum ersten Hahnenschrei am Sonntagmorgen. Immer noch gut gelaunte Weinfreunde stärkten sich beim Frühstück, füllten Koffer und Taschen und mit etwas Proviant für die Nichtfahrer starteten wir Richtung Heimat. Doch auf dem Weg lag noch ein weiteres Ziel - Hluboka bei Ceske Budejovice.
In tiefster DDR-Zeit war ich hier mal mit meinen Eltern und mir schien, es wäre erst gestern gewesen. Dieses Vorzeigeschloß wurde selbst in kommunistischer Zeit in Tschechien stets restauriert, renoviert, die enthaltenen Schätze gepflegt und geschützt. Dies ist wohl auch ein Grund, weshalb hier viele Filme gedreht wurden. Auch fand an dieser Stelle vor nicht all zu langer Zeit das Treffen der Aussenminister der EU statt. Die Autos im Ort parkend liefen wir den Anstieg zum Schloß hinauf. Zunächst passiert man ein großes Gebäude, welches die Meisten bereits für das Schloß hielten, es war aber "nur" das Nebengebäude des Personals oder so. Nach Durchqueren eines unscheinbaren Torbogens eröffnet sich ein grandioser Anblick: in strahlendem Weiß erwächst das imposante Märchenschloss mit hohen Türmen, Wintergarten, Reitschule, 190 Hektar großer Landschaftspark. Luxuriös eingerichtete historische Schlossräume mit einmaligen Schnitzarbeiten und wertvollen Kunstsammlungen, alles überladen und fast erschlagend in seltenen Holzarten, Murano-Glas, Delfter Porzellan, dick vergoldetes Mobilar, Deckenverkleidungen, Intarsien...Es gibt nichts, was man besonders hervorheben kann, denn alles ist großartig. Man hat keine Chance, die Gesamtheit auch nur annähernd zu erfassen, weder visuell noch emotional. Nach der deutschsprachigen Führung durch die Repräsentantenräume und die Waffenkammern (eine Etage!), von denen man den Eindruck hatte, sie wären bis gestern noch bewohnt und benutzt, mußten wir alles erst einmal setzen lassen. Obwohl sich die Sonne ab und an hinter einem Wölkchen versteckte, nahmen wir noch einmal im Gartenrestaurant des Schlosses ein kurzes Mittagessen ein. Die Aufnahmen in der Fotogalerie können nur erahnen lassen, welch noblen Abschluß die erste Weinreise 2009 mit dem Besuch des Schlosses Hluboka fand.