Freitag der 13. August 2010

Nicht das Datum und auch nicht die schwarze Katze am Morgen konnten die Vorfreude auf die bevorstehende Weinreise trüben. Halb neun trafen sich alle im Hotel "Eleonore", im Gepäck vor allem gute Laune. Der Himmel war wolkenverhangen und es regnete . Da fiel es leicht, dem Fernweh zu erliegen. Noch ein schneller Kaffee und gegen neun starteten wir gen Süden.

Kurze Rast an der Autobahn und mit Einfahrt nach Österreich bricht der Himmel auf. Inzwischen war das Thermometer auf freundliche 24 °C geklettert. Das versprach sommerlich zu werden...

Etwa 16.00 Uhr passierten wir bei über 30 °C das Ortseingangsschild von Wien. Vorbei an Schloß Schönbrunn und dem Hundertwasserhaus bis zur Hofburg mit Hoftheater näherten wir uns der ersten Station der Weinreise. Das "Vino" in der Teinfaltstraße - ein unbedingter Geheimtipp für Wienbesucher. Diese kleine Vinothek lebt von und mit der Betreiberin Maria, die mir inzwischen zur guten Freundin und Kollegin geworden ist. Eine herzliche Begrüßung für unsere Weinliebhaber ließ familiäre Atmosphäre aufkommen. Wir wurden nicht nur mit tollen Weinen quer durch die österreichischen Weinregionen verwöhnt, sondern wie mit Zauberhand standen kleine Naschereien vor uns. Für die meisten bislang fremd hatten wir einen 2009 Gemischter Satz von Christ aus Wien, 2009 Gols Cuvee weiß von Wendelin, Gols, 2009 Gelber Muskateller trocken vom Weingut Topf, Kamptal, 2009 Weißburgunder von Skoff, Steiermark, endend mit einem 2008 Riesling Smaragd von Bäuerl, Wachau. Es fiel sichtlich schwer nach etwa zwei Stunden von Maria aufzubrechen,  dies war ein genialer Einstieg in die österreichische Weinwelt in herzlicher Umgebung.

 Unweit der Metropole erwartete uns nun unser Domizil für die nächsten Tage , das Hotel "Pannonia Tower" in Parndorf. "Designerhotel mit unglaublicher Weinkarte, Seminarhotel mit pannonischer Lässigkeit. Burgenland mit Lifestyle, Den Neusiedlersee im Blick. Das Designer Outlet Parndorf zu Füßen.

Check in und erfrischen bevor es auf Empfehlung von Maria ins nahe gelegene Steakhouse in Parndorf ging. Das rustikale Restaurant mit großer Terrasse und sprudelndem Wasserspiel lud wahrlich zum Verweilen. Der Chef des Hauses ließ es sich nicht nehmen, ein paar Worte am Tisch mit uns zu wechseln, nachdem wir die Grüße aus Wien ausgerichtet hatten. Die Küche des Hauses verwöhnte uns mit Weinbergschnecken, Entrecôtes, Rumpsteak und T-Bone zu Blauem Zweigelt von Richard Goldenits. So bemerkten wir nicht, das inzwischen schwarze Wolken vom See herüberzogen. Mit grellen Blitzen und grollenden Donnerschlägen entlud sich nach wenigen Minuten ein krachendes Gewitter direkt über unseren Köpfen. So waren wir freudig gezwungen, die einheimische Gastfreundschaft noch  länger zu genießen...bis wir gegen Mitternacht in die zum Träumen einladenden Matratzen fielen.

Samstag, 14. August 2010

Die Sonne kitzelt uns gegen 8.00 Uhr wach und lockt an das üppig bestückte Frühstücksbuffet - großartig. Da fällt es nicht schwer eine gute Grundlage für den vor uns liegenden Tag zu schaffen.So gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Göttlesbrunn zu Birgit Wiederstein. Diese junge und innovative Winzerin macht nicht Weine, sondern zaubert diese in die Flasche. Damit wir das mit allen Sinnen erleben können, führt uns Birgit nach unserer Ankunft zunächst in die Weinberge. Durch den Holzweg vorbei an in das Erdreich gebaute Weinkeller landen wir zwischen langen Reihen mit saftigen Rebstöcken. Oben angekommen an Weinhütten genießen wir den unglaublichen Blick in die Region. Interessant die sich gerade färbenden blauen Rebsorten und die schon gut zu naschenden Weinbeeren. Derart eingestimmt gingen wir zurück zum Weingut, wo wir zunächst im Garten die 2009 FLORA und 2009 ROSA verkosteten. Kleine Blutsauger zwangen uns dann aber, ins Haus umzuziehen. Hier Fachsimpeln und verkosten vom TRAUM über RHEA, DIVA, VENUS bis hin zu WIE DAMALS, mein persönlicher Favorit. Im Garten dann Gespräche über Pflanzen und Bäume und spätestens als Jungbäume ausgegraben wurden, um diese in Meiningen einzusetzen war klar, wir sind hier herzlich willkommen.

Die verbleibende freie Zeit bis zum nächsten Weingutbesuch nutzten wir, um das Designer Outlet Parndorf unsicher zu machen. Wenige Schritte vom Hotel präsentiert sich alles, was Rang und Namen in der Modebranche hat. Ein Paradies nicht nur für Frauen...

Zwischen Neusiedlersee und Leithagebirge liegt das malerische Örtchen Jois. In der Unteren Hauptstrasse findet man das Weingut Markus Altenburger. Freundlich begrüßte uns Matthias Altenburger und passend zu den sehr sommerlichen Temparaturen starteten wir mit Markus Altenburger brut. Die anfängliche Distanz wich schnell intensiver und lockerer Unterhaltung mit den Eltern von Markus begleitet von den Weiß-und Rotweinen des Weingutes. Den Höhepunkt bildete die Fassprobe im Keller des Hauses, für alle anderen eine Premiere. Frau Altenburger und ich stellten dabei fest, daß wir nicht nur am gleichen Tag Geburtstag haben, sondern auch die gleichen Weine bevorzugen. Mit Wein im Gepäck verließen wir die Familie Altenburger zurück Richtung "Pannonia Tower"...

...denn jetzt stand das kulturelle Highlight der Reise auf dem Plan. Geschniegelt und gestriegelt und in feine Robe verpackt, duftend und gut gelaunt erwartete uns die Aufführung "Die Zauberflöte" zu den Opernfestspielen St. Margarethen. Inmitten tausender anderer Besucher des Römersteinbruchs betraten wir das Areal. Gut gekleidete Menschen bevölkerten bereits die Tische vor den Wein- und Snackständen. Drückende Hitze und von der Sonne rot getränkter Himmel. Zunächst genossen wir Lachs und Scampi zu Chardonnay und ließen uns von der Stimmung einfangen. Eine wahrlich oppulente Kulisse mit großen Statuen, Masken, Tempel und fliegendem Schiff, so präsentierte sich die Bühne den fast 5000 Zuschauern.  Neben großartigen Stimmen eröffnete sich dem Publikum eine spektakulkäre Inszenierung, die ihresgleichen an solchem Ort suchen läßt. Farbenfrohe Kostüme, Effekte, Projektionen, Explosionen machen diese Oper um Liebe und böse Mächte zu einem einmaligen Erlebnis. Eine sehr eigene Note bekam die Veranstaltung, als Mitte des zweiten Aktes Petrus die Himmelsschleusen öffnete und sich flutartiger Regen über uns ergoß. Das war die wirkliche Faszination des Abends für mich, denn nicht nur die tausenden Zuschauer waren binnen zwei/drei Minuten in Regencapes gehüllt, sondern auch die Darsteller, Sänger und Statisten traten von Moment an mit Schutzmänteln auf. Die gesamte Aufführung fand bis zur letzten Sekunde statt und nur sehr wenige verliessen ihre Plätze. Belohnt wurden alle abschließend mit einem Feuerwerk der Spitzenklasse. Goldregen, Fontänen, Blüten in allen Farben erhellten den Himmel über dem Steinbruch. Und mit dem ersten Lichtermeer hörte der Himmel auf zu weinen....welch Finale!!!

Weit nach Mitternacht landeten wir im Hotel zur erholsamen Ruhe.

Sonntag, 15. August 2010

Der nächtliche Regen hat die Luft angenehm erfrischt und so starten wir nach dem Frühstück und check out vom Hotel nach Gols. Heute erwarten uns Georg und Kathi Preisinger mit Kindern im sonnenüberfluteten Hof zur Weinprobe. Das zeitgleich stattfindende Volksfest im Ort hat bei den Gastgebern noch ein paar Spuren hinterlassen, aber sein fruchtig frischer Welschriesling (SALONSIEGER) half darüber hinweg. Gefolgt von eleganten und konzentrierten Grauburgunder , Weißburgunder(4 1/2 Sterne Falstaff) und Chardonnay vom Ungerberg (4 Sterne: Selection, Falstaff) galt es, die Typizität der reinsortigen Rotweine u.a. vom Heideboden und Goldberg zu verkosten. Gekrönt wurden diese edlen Tropfen von der 2005 TBA Nele´s. Eine Aromenexplosion schlechthin. So wie uns Georg berichtete, gibt es in einzelnen Rieden in diesem Jahr sehr geringe Erträge, da müssen wir uns wohl rechtzeitig etwas sichern...

Wieder brennt die Sonne auf den Planeten Erde auf unserem Weg zum Volksfest in Gols, wo wir nun noch einmal die Seele baumeln lassen. Beim Schlendern über die Wirtschaftsmesse gab es so einiges Interessantes zu entdecken: schicke Pools, Modellhubschrauber, Riesengrillstationen, Solaranlagen, nagelneue Autos u.v.m. Da war für jeden etwas zu entdecken. Und jetzt der spaßige Teil mit gefährlichen Fuhrgeschäften, abenteuerlichen Karussells, Geisterbahn - welche wir allerdings ausließen, Schnitzel, Almdudler, Softeis und eine kreischende "Sombrero"-Fahrt mit Wirbel durch die Luft. 

Nach drei sehr ereignis- und erlebnisreichen Tagen mit ein paar Episoden, die wir lieber nicht verraten, aber darüber laut lachen, machen wir uns auf den Weg in die Heimat. Noch einmal ein Blick zurück auf den Neusiedlersee und hinüber zu den Rebstöcken, mit der Sonne im Blick, da Fahrt nach Westen, verlassen wir das schöne Austria. Kaum wieder in Deutschland weint auch der Himmel wieder über uns...wohl weil schon wieder vorbei ist.

Vielen Dank an unseren perfekten Chauffeur Wolfgang und alle, die zum Gelingen dieser Tour beigetragen haben. Österreich-auf Wiedersehen!!!